Konvent Evangelischer Gemeinden aus Pommern |
Nach dem Kriege durften keine Deutschen in der Stadt wohnen. Sie lebten hauptsächlich als Arbeitskräfte auf den staatlichen Kolchosen. Später (Ende der sechziger Jahre) erlaubte der Wojewodschaftssekretär für Kirchenfragen die Gründung einer „nicht-polnischen“ (sprich: deutschen) Gemeinde in Köslin, solange mindestens sieben Mitglieder zu ihr gehörten. Sie traf sich in der ehemaligen Christuskirche (erbaut 1931), die von den Methodisten zu den Pfingstlern übergegangen war. Dies Gebäude fiel 2005 dem Bau einer Umgehungsstraße zum Opfer. Bis 1997 kam der Pastor aus Stolp zu den Gottesdiensten, seit 1985 auch zu den Bibelstunden.
1983 wurde eine polnische Gemeinde gegründet, die sich in der Baptistenkirche traf, versorgt von dem Stolper Pastor, der für diese Sprachgruppe zuständig war. 1997 wurden die Gemeinden nicht mehr nach Sprachen, sondern nach Regionen eingeteilt. Damals kam der junge Pastor Janusz Staszczak nach Köslin. 1999 bekam die Gemeinde die Gertraudenkapelle zurück und zusätzlich zwei benachbarte Grundestücke zum Bau eines Gemeindezentrums. Die Kapelle wurde im Mai 2000 wiedergeweiht und beide Gemeindeteile können jetzt unterm eigenen Dach ihre Gottesdienste feiern. Mit dem Bau des Gemeindezentrums wurde im Mai 2002 begonnen, genau 6 Jahre später konnte es seiner Bestimmung übergeben werden. Die Einweihung erfolgte im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes, der aus im polnischen Fernsehen übertragen wurde.
Damit die Gemeinde schon jetzt eine Diakoniestation hat, wurde ein Einfamlienhaus gekauft und eine Absolventin der theolog. Akademie aus Warschau mit einem Magister in Sozialpädagogik als Diakonieschwester angestellt. In der Diakoniestation in der Mireckiego 2 finden auch die monatlichen Bibelstunden für die deutschsprachigen Gemeindeglieder und alle übrigen Gemeindeveranstaltungen statt. Erst durch die Bibelstunde ist die Gemeinde so richtig zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Häufig kommen Gäste aus Deutschland zu den Veranstaltungen. Die deutschsprachige Gemeinde ist überaltert, Nachwuchs gibt es nur in der polnischsprachigen. Die aus Ostpreußen stammende Gemeindeälteste Edith Stolarska ist unverzichtbar bei Übersetzungen, auch für den Pastor, und Begleitung von Besuchern. Im Herbst 2005 richtete die Diakoniestation eine Hausaufgabenbetreuung für sozialvernachlässigte Kinder aus dem Stadtteil ein.
Zu Köslin gehören vier Predigtstationen: Schivelbein, Belgard, Gr. Volz/Rummelsburg und Neustettin.
Die Belgarder Gemeinde existierte bereits in den fünfziger Jahren und erhielt auch Besuch vom damaligen Bischof aus Greifswald. Als sie die Georgenkirche an die katholische Kirche übergab, gelang es ihr, vertraglich abzusichern, dass sie auf ewig dort mietfrei ihre monatlichen Gottesdienste halten dürfe. Bis zu ihrem Tode vor ein paar Jahren war die warmherzige Johanna Rathke Mittelpunkt der Gemeinde. In ihrer Ein-Zimmer-Wohnung versammelten sich die Landfrauen vor und nach dem Gottesdienst, stärkten sich mit Tee und sangen sich warm. Die langjährige, verdiente Gemeindeälteste Gertrud Trabala starb 2005 nach langer Krankheit. Die Gemeinde ist überaltert; der jetzige Gemeindeälteste heißt Horst Knop und stammt aus einer evangelischen Großfamilie.
Schivelbein hatte seit den siebziger Jahren eine Zwitterstellung: Sie zählte als „nicht-polnische Gemeinde“, obwohl Pastor Steinhagen die polnische Gottesdienstsprache eingeführt hatte. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen in der Sprachenfrage, die Mehrheit schien für Deutsch zu sein, in der Abstimmung überwogen die polnischen Stimmen. Um die Wendezeit regten wir an, eine andere Lösung zu finden: Zusätzlich zum polnischen Gottesdienst eine deutsche Bibelstunde. Das entschärfte die Gegensätze und die Gemeinde hielt jahrelang – auch ohne Hilfe des Pastors - durch, bis die meisten treuesten deutschen Gemeindeglieder gestorben waren und diese Initiative einschlief. Ein Teil der Gemeindeglieder kommt aus der alten Republik Polen und die Familien hatten schon vor 1939 polnisch gesprochen.
Es ist eine der wenigen Gemeinden, in der es noch Taufen und junge Eltern gibt, aber auch mehr männliche Gemeindeglieder als in den anderen Gemeinden. Die Männer sind zuverlässige Helfer, wenn es um die Renovierung der Kapelle geht. Die Gemeinde hat auch noch einen eigenen Friedhofsteil, für den sie verantwortlich ist. Die Gottesdienste finden in einem Teil der ehemaligen Friedhofskapelle statt. Die langjährige - aus Ostpreußen stammende deutschsprachige Gemeindeälteste - Edeltraut Kasperczak wurde 2006 von der jungen Rechtsanwältin Monika Liszka abgelöst.
Nicht durch die Initiative der lutherischen Gemeinde, sondern durch die der Adventisten wurde der jüdische Friedhof in Schivelbein wieder in Ordnung gebracht. Dort gibt es noch mehr Grabsteine als sonst auf jüdischen Friedhöfen in Pommern.
Bereits seit Jahrzehnten finden die Gottesdienste in der ehemaligen jüdischen Leichenhalle statt, die inzwischen mehrmals renoviert wurde. An der Kapelle ist inzwischen eine Gedenktafel von der Stadtverwaltung angebracht worden. Neustettin gehörte zu den größeren Gemeinden, hatte jedoch aufgrund der Alterstruktur in letzter Zeit besonders viele Todesfälle zu verzeichnen.
Nach 37 Jahren ehrenamtlicher Arbeit bat Lotte Sosinska (geb. 1920) aus Neustettin, sie von der ehrenamtlichen Arbeit für die Gemeinde zu entbinden. Auch wir danken ihr für ihren jahrzehntelangen unermüdlichen Einsatz und wünschen ihr einen geruhsamen Lebensabend. -- Es war nicht einfach, einen jüngeren Nachfolger zu finden, der nicht auf die Überlandbusse angewiesen ist und der noch Deutsch schreiben kann. Schließlich stellte sich Alfred Hass zur Verfügung, obwohl er auch Probleme mit dem Herzen und mit dem Blutdruck hat. Er gehört zu den wenigen, die eigentlich in Deutschland wohnen, die aber große Teile des Jahres in der alten Heimat leben.
Zu seinen Pflichten gehört es, jedes Vierteljahr das Kirchengeld zu kassieren, das 1% des Einkommens beträgt, außerdem muß er schon frühzeitig zu Kapelle fahren und sie für diejenigen aufschließen, die nur einen frühen Bus aus ihrem Dorf haben. Im Winter gehört auch das Heizen dazu, außerdem muß er sich um kleinere Reparaturen kümmern wie jetzt an der Regenrinne. Glücklicherweise hatte es im Sommer 2006 weniger geregnet, aber zum Winter sollte sie wieder in Ordnung sein. Dazu kommt noch die Pflege des Grundstücks - des einstigen jüdischen Friedhofs - mit Rasenmähen, Heckeschneiden, Laubharken, im Winter einen Gang zur Kirchentür freischaufeln. Er holt immer Lotte Gudz aus ihrem Dorf ab, dann hat er am Sonntag automatisch eine Unterstützung.
Es ist die einzige pommersche Dorfkirche, die im Besitz der Evangelischen bleiben konnte. Nach zunächst heftigen Diskussionen gewährte man der katholischen Gemeinde Gastrecht, die respektvoll damit umgeht. Rings um die Kirche sind noch einige deutsche Grabsteine erhalten. Auf dem benachbarten Gutsgelände hat sich die ehemalige Besitzerin ein Häuschen erbaut, in dem sie die meiste Zeit des Jahres wohnt. Die Gemeindeälteste heißt Regina Rudnik, geb. Hinz.