Zurück zum Rückblick auf die bisherigen Tagungen und Veranstaltungen des Pommernkonvents
Für gut die Hälfte der Seminarteilnehmer war das Sommerfest in Zitzmin am Samstag, d. 22. Juli der Auftakt für die Jahrestagung. Dafür reisten etliche gern einen Tag eher an. Das Motto „Feuer“ regte alle Beteiligten an, Lieder, Gedichte und Geschichten zu finden und darzustellen. Das gute Wetter und gute Verpflegung trugen dazu bei, daß es im Obstgarten der Familie Pollex wieder ein fröhliches Fest wurde. Mit Bussen wurden die Mitglieder der Minderheit und der evangelischen Gemeinden aus dem Raum Stolp und Stettin nach Zitzmin gefahren. Frau Dr. Scheller führte in bewährter Weise durch das Programm, das sie bis ins Detail vorbereitet hatte.

Vor der Arbeit lag das Vergnügen: Sommerfest 2006 zum Thema Feuer.
Am Abend des 22. Juli begann dann die Tagung im Gästehaus des katholischen Priesterseminars bei Köslin. Im neu gebauten Haus fühlten sich die Teilnehmer wohl, vor allem die sanitären Einrichtungen wurden als sehr komfortabel gegenüber dem eigentlichen Priesterseminar empfunden. In einer Vorstellungsrunde machten sich die Tagungsteilnehmer aus Ost und West bekannt. Die Tagungsleiterin Ingrid Saenger erläuterte das Programm.
Ein sehr feierlicher Festgottesdienst am Sonntagmorgen, der von unseren Pastoren Johannes Haerter, Zinnowitz, und Bernhard Riedel, Penkun, gestaltet wurde, wurde miteinander zelebriert. Gerhard Schoenefeldt begleitete an der Orgel. In der Kapelle des Gästehauses konnten fünfzehn Jubiläumskonfirmanden das Fest der Goldenen, Diamantenen, Eisernen und Gnadenkonfirmation feiern.
Anschließend stand ein Besuch in der evangelischen Diakoniestation in Köslin auf dem Programm. Die Leiterin der Station, Schwester Izabela Glowka, berichtete über ihre weit gefächerte Arbeit, die die Betreuung der Alten und Kranken der Gemeinde bis hin zur Hausaufgabenbetreuung von Kindern problematischer Familien umfaßt.
Pastor Bernhard Riedel informierte über den „Arbeitskreis Polen“. Dieser am 11.11.1999 in der Trinitatiskirche in Stettin gegründete Kreis von evangelischen Pfarrern in Vor- und Hinterpommern trifft sich dreimal jährlich zum Austausch von (gemeinsamen) Projekten. Gemeindebegegnungen im Grenzbereich und Jugendbegegnungen finden regelmäßig statt. Die Treffen der Bischöfe sind nicht ganz im Plan. Als Problem der Besucher aus Deutschland in der hinterpommerschen Heimat sprach Pfarrer Riedel an, daß die katholischen Gemeinden in den Heimatorten besucht würden, die evangelischen Gemeinden aber wenig zur Kenntnis genommen würden.
Über das Wirken der Johanniter in und für Pommern referierte Dr. Rita Scheller. Nach einem historischen Rückblick über die 900-jährige Geschichte der Johanniter ging sie auf das Wirken des Ordens in Pommern ein, das seit 1223 dokumentiert ist. Die Mitgliedschaft des Ordens ist weitgehend durch den pommerschen Adel geprägt. Die Hilfe für Pommern konnte zunächst nur durch Päckchen in die ehemalige DDR geleistet werden. Seit der Zeit des polnischen Kriegsrechtes 1981/82 begannen die Hilfstransporte, die bis heute organisiert werden. In den neunziger Jahren wurden Sozialstationen in Cammin, Bad Polzin, Groß Tychow und Stolp eingerichtet, die für alle Einwohner bereit sind.
Mechthild Scheller stellte das Werk des Komponisten und Musikers Karl Loewe (1796 bis 1869) vor. Seine außergewöhnliche Begabung wurde früh festgestellt Der preußische Kronprinz selbst übertrug ihm die Leitung eines Soldatenchores während seiner Militärzeit, die er als Patriot als Pflicht auf sich nahm. Viele Jahrzehnte war er der Jakobikirche in Stettin verbunden, wo sein Herz noch heute in einem Pfeiler ruht. Dies wissen auch die Polen und schätzen den Komponisten, der zu unzähligen Balladen die musikalische Begleitung schuf, als einen, der mit der Kultur der pommerschen Provinzhauptstadt und jetzigen polnischen Hafenstadt eng verbunden ist. Eindrucksvoll waren die per CD vorgestellten Musikvorträge mit Dietrich Fischer-Dieskau.
Die Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit in Europa der Evangelischen in Polen stellte Pfarrer Wojciech Froehlich aus Stolp vor. Die 70-Tausend Mitglieder (gleich 0,2 %) der Evangelischen Kirche in Polen sind schon zahlenmäßig auf die Unterstützung der großen Länder in Europa angewiesen. Die Zusammenarbeit findet auf den vier Ebenen der Gemeindearbeit, Diakonie, Mission und offiziellen Partnerschaften mit anderen Kirchen statt. Besuche von Chören, Jugendgruppen, Konfirmandenfreizeiten und gemeinsame Gemeindefeste festigen die Basisarbeit. Der Austausch findet vor allem mit den Ländern Deutschland, Schweden, Finnland, Dänemark, Tschechien, Litauen und der Ukraine statt.

Die Tagung 2006 in Köslin war wieder gut besucht.
Das deutsch-polnische Jahr 2005/2006, seine Bilanz und Wirkungen für die Zukunft untersuchte Helmut Köhler, Münster, in seinem gut recherchierten Vortrag. Während es seit vielen Jahren schon deutsch-polnische Vereinigungen gäbe, sei besonders auf deutscher Seite viel Unkenntnis und Desinteresse gegenüber Polen festzustellen. Das deutsch-polnische Jahr hätten viele deutsche Bürger nicht zur Kenntnis genommen. Dennoch hätten die Veranstaltungen, deren Zahl sogar verdoppelt wurde, bei einem interessierten Publikum viel Anklang gefunden. Am Beispiel des Schillergymnasiums in Münster, das seit Jahren Schüleraustausch in gegenseitigen Gastfamilien (Krakau-Münster) durchführt, zeigte der Referent mit einem Videofilm, wie lebendig Partnerschaft sein könne. Bedenken habe er aber nach den Parlamentswahlen vom 25.9.2005 und der anschließenden politischen Entwicklung in Polen, ob der Verständigungsprozeß Fortschritte machen könne. Janusz Witt, Breslau, hatte Dietrich Bonhoeffer im Gedenkjahr 2006, dem 100. Geburtsjahr des Widerstandskämpfers, zum Thema. Als Generalsekretär der Bonhoeffer-Sektion in Breslau, dem Geburtsort Bonhoeffers, berichtete er kurz über das Zentrum, das auch Gäste beherbergen könne und seit 1996 bestehe. 1998 wurde ein Denkmal vor der Elisabethkirche aufgestellt. Die Bonhoeffer-Gesellschaft in Breslau arbeite ökumenisch und habe Begegnungen mit der jüdischen Gemeinde.
Die gemeinsame Verantwortung von Polen und Deutschen für das jüdische Erbe im heutigen Polen stellte Pfr. Henryk Romanik in seinem Referat heraus. Er selbst habe kürzlich ein Buch über Forschungen in Köslin herausgegeben. In den letzten Jahren habe sich die Atmosphäre verbessert. Die jüdische Geschichte sei wieder Stadtgeschichte. Im Mai 2006 sei ein Gedenkstein für die Juden der Stadt Köslin aufgestellt worden. Besonders stolz sei die Stadt auf Lothar Baruch, der durch Kindertransporte über Holland nach England gerettet werden konnte. 1960 habe er als Lesly B. Brent den Nobelpreis für Medizin erhalten. Vor ein paar Jahren erst habe er seine Geburtsstadt wieder besucht.
Eine besondere Ehre war es für die relativ kleine evangelische Schar im Gästehaus, daß Weihbischof Pawel Cieslik, Köslin, eine Morgenandacht mit Predigt in der Hauskapelle hielt, unterstützt von Pastor Johannes Haerter. Seine hervorragenden deutschen Sprachkenntnisse hatte er, wie er später berichtete, von einem mehrjährigen Aufenthalt in Augsburg. In seinem Vortrag berichtete über den polnischen Papst Johannes Paul II. und den deutschen Papst Benedict XVI. Über die persönlichen Begegnungen mit beiden Päpsten berichtete er ausführlich und eindrucksvoll und unterstrich die Freundschaft der beiden miteinander. Die schnelle Wahl des deutschen Papstes und die Welle der Sympathie, die ihm beim ersten Polenbesuch entgegenschlug, trage zur deutsch-polnischen Annäherung bei.

Im Mittelpunkt einer jeden Tagung steht die Jubileumskonfirmation
Der Film „Meiner Mutter Land“ von Michael Majerski, den er seiner pommerschen Mutter gewidmet hat, beeindruckte durch die feinfühligen Interviews und die herrlichen Bilder pommerscher Landschaft. Besonders aktuell war er durch die Anwesenheit einer der „Schauspielerinnen“, Lotta Sosinska aus Neustettin. Zur Zeit arbeitet Majerski an dem Film „Meines Vaters Land“, wo er den polnischen Teil seiner Herkunft aufarbeitet.
Die Jahrestagung 2006 des Pommernkonvents in Köslin unter der Leitung der Vorsitzenden Ingrid Saenger hat viele Themen der deutsch-polnischen Verständigung, besonders auf kirchlicher Ebene, aufgearbeitet. Die Diskussionen waren lebendig und weiterführend. Es ist gut, daß die Pommern eine gute Tradition, die Rita Scheller vor Jahren begonnen hat, in Köslin fortgeführt haben und das hoffentlich noch weiterhin tun können. Die nächste Jahrestagung des Konvents mit Wahlen soll vom 26.-28. Oktober 2007 in der Ostsee-Akademie im Pommernzentrum stattfinden.