Konvent Evangelischer Gemeinden aus Pommern
- Hilfskommitee e.V -

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STOLP:

In Kreis Stolp gab es nach einer polnischen Statistik im September 1945 mehr deutsche Bewohner als im September 1939, weil nur wenige flüchten konnten und viele Flüchtlinge aus Ostpreußen dort hängen geblieben waren. Die Deutschen wurden nicht ganz so radikal vertrieben wie in den westlichen Gebieten, weil man sie z.T. als „Autochthone“ betrachtete. Dadurch wurde Stolp der Mittelpunkt des evangelischen Gemeindelebens in Hinterpommern. Zunächst wurden die Gemeinden wie überall in Pommern durch deutsche Lektoren versorgt, dann kamen Prediger aus Warschau mit Kurzausbildung, schließlich voll ausgebildete Pastoren. Bis zur Wende hatten alle Pastoren eins gemeinsam: Sie gingen von Stolp nach Deutschland und die Gemeinde musste sich immer wieder an neue Hirten gewöhnen. Zunächst traf man sich im Arnoldsaal der evangelischen Gemeinschaft; erst in den achtziger Jahren war man bereit, Gottesdienst in der Kreuzkirche zu feiern, die der evangelischen polnischen Gemeinde zugesprochen worden war. Auch hier handelte es sich um eine Kirche der Altlutheraner aus dem 19. Jahrhundert. Zunächst wohnte der Pastor für die „nicht-polnische Gemeinde“ in einer Mietswohnung, in den siebziger Jahren konnte eine neuer Flachbau für ihn erworben werden; später Teil einer Villa aus den zwanziger Jahren für den Pastor der polnischen Gemeinde, die eine bessere Altersstruktur als die deutschsprachige Gemeinde hat. Die Beziehungen zwischen beiden Gemeindeteilen sind noch ausbaufähig.

Seit 1997 gibt es nur noch einen Pastor für beide Gemeindeteile in Stolp, nachdem die Gegend um Köslin ausgegliedert wurde. Das 2. Pfarrhaus wurde Gemeindehaus. Im Herbst 2006 wurde ein neuer Gemeinderat gewählt. Deutsche Gottesdienste finden am 1. und am 3. Sonntag des Monats um 09:30 statt. Dort wird noch das alte Pommersche Gesangbuch von 1931 benutzt, während die Gemeinden weiter im Westen Hinterpommerns sich auf das neue EG aus Deutschland umgestellt haben. Ansprechpartnerin für die deutschsprachige Gemeinde sind Detlef Rach und Irmgard Rusakiewicz.

In Stolp gibt es seit zehn Jahren eine Sozialstation der Johanniter, die eng mit dem Sozialamt der Stadt kooperiert. Sie arbeitet überkonfessionell, kümmert sich aber auch um hilfsbedürftige Gemeindeglieder. In den gut 10 Jahren ihres Bestehens wurden 35.000 Hilfsbedürftige betreut. Informationen zur Arbeit der Station lassen sich unter http://www.juh-minden.de/ finden.

Eingegangen sind in den siebziger Jahren die Zweiggemeinden Schlawe und Techlipp, dazu Klucken, als eines Tages das ganze Dorf - trotz der angeblichen kaschubischen Herkunft - bis auf zwei Brüder nach Hamburg umsiedelte; schließlich 1998 noch Gr. Rakitt. Noch bestehende Predigtstationen mit deutschsprachigen Gottesdiensten sind: Glowitz und Gr. Garde.

Seit dem 15.09.2002 war Pastor Marcin Makula in Stolp tätig. Seine erste grosse Aufgabe war es, die Kreuzkirche zu renovieren. Die Kosten hierfür belaufen sich auf etwa € 60.000,00. Deutsche und polnische Spender brachten schon den größten Teil der Gelder auf. Die Renovierung war notwendig, um eine baupolizeiliche Schließung der Kirche zu verhindern. Im Bauausschuss sitzen Mitglieder aus beiden Gemeindeteilen. Am 31. Juli 2005 wurde der fast vollständige Abschluß der Renovierungsarbeiten mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Pastor Makula ließ sich im Sommer 2005 nach Schlesien versetzen. Sein Nachfolger Pastor Froehlich bemühte sich erfolgreich das Geld für die noch ausstehenden Arbeiten (Treppe zur Orgelempore sowie den Einbau der gestifteten Orgel) einzuwerben. So dass die Gemeinde Dank deutscher und polnischer Geldgeber am 30. September 2007 den 150. Jahrestag der Grundsteinlegung der Kreuzkirche und Einweihung der neuen Orgel feiern konnte.

Langfristig wird der Einbau einer neuen Heizanlage notwendig sein, da die Kirche im Winter eisig kalt ist. Ein paar gespendete Decken und Kissen sorgen nur begrenzt für Abhilfe.

Die Gemeinde in Stolp betreibt eine engagierte Jugendarbeit. Durch Spenden war es in den letzten Jahren möglich alle Kinder an evangelischen Ferienfreizeiten teilnehmen zu lassen.


Besuch beim Deutschen Verein in Lauenburg

Die mobileren Mitglieder der Gemeinde Gr. Rakitt besuchen den deutschen Verein in Lauenburg.


Gr. Rakitt/Kr. Stolp:

Der Ort liegt näher bei Lauenburg und Bütow als bei Stolp. Um 1982 war es noch eine blühende Gemeinde, in der jeder mit jedem verwandt war, beziehungsweise zwei Großfamilien zugeordnet werden konnte mit Ausnahme von zwei alten Fräuleins. Der Zusammenhalt war besonders eng. Es gab noch Konfirmationen, Konversionen wären möglich gewesen. Einige jüngere Gemeindeglieder wanderten nach Deutschland aus, einige ältere starben. Der damalige Pastor schlug vor, die letzten sollten nach Lauenburg zur Kirche kommen, er würde dort auch abwechselnd deutschen und polnischen Gottesdienst halten. Inzwischen heißt es: „Ihr versteht doch alle Polnisch.“ Nicht gefragt wurde nach de Sprache des Herzens. Es ist erstaunlich, wie stark der deutschsprachige Beichtgottesdienst 2002 in der Passionszeit besucht wurde, während das Interesse 2006 nachgelassen hatte.


Glowitz/Kr. Stolp:

Der Ort erlangte einen gewissen Bekanntheitsgrad, weil der unlängst verstorbene Graf Krockow ihn mehrfach beschrieb, z.B. in der „Stunde der Frauen“ – ein Loblied auf die tapferen pommerschen Frauen in der ersten Nachkriegszeit, dargestellt am Schicksal seiner Schwester Libussa. - Schon in den dreißiger Jahren war ein Teil des ehemaligen Stalls zu einem Gemeindesaal umgebaut worden, der jetzt von der evangelischen Gemeinde genutzt wird, die sich dort einmal im Monat trifft. Als die Gemeinde kleiner wurde, zog man eine Zwischenwand ein; inzwischen hat man dort einen gemütlichen Versammlungsraum eingerichtet. Die Gemeindeälteste ist Anneliese Zak aus der unmittelbaren Umgebung.


Zwei alte Glowitzer im Gespräch

Im Gespräch: die langjährige Organistin Elfriede Wlodarczyk aus Gisebitz und Landessuperintentent Dr. Gottfried Sprondel, Osnabrück, beide leider inzwischen verstorben.


Gr. Garde/Stolp:

Lange war die „Pantoffel-Kirche“ in Klärchen Kiepers Wohnstube jedermanns Lieblingsgemeinde. Als ihre Töchter in den fünfziger Jahren getauft wurden, begann dieser Gottesdienst. Alle Frauen stamm(t)en aus der unmittelbaren Umgebung, Männer gehörten nur ganz selten dazu. Im Wohnzimmer friert man weniger als in einer Kirche auf dem Berge, außerdem klingt der Gesang viel voller. Inzwischen versucht man, die Scheune als Gemeinderaum auszubauen. Die Gemeindeälteste ist Katarina Kowalska ist inzwischen im Altersheim und wird durch Janina Pawluk vertreten.


Wierschutzin/Kr. Lauenburg:

Eigentlich gehört dies Dorf nicht mehr richtig dazu, weil es nicht vom Pastor in Stolp, sondern vom Pastor in Dirschau betreut wird, der alle viertel Jahre kommt. Gerade diese winzigen Gemeinden freuen sich ganz besonders über deutschsprachige Besucher. Die Gemeindeälteste heißt Irma Goyke, die noch in ihrem Elternhaus lebt.

Wierschutzin gehörte zu den Dörfern, die vor 1945 eine katholische und eine evangelische Kirche hatten. Den Polen genügte die katholische Kirche, die evangelische blieb ungenutzt. Der deutsche Verein hätte sie gerne für einen symbolischen Kaufpreis übernommen. Inzwischen hat sie eine Künstlerin aus Warschau erworben, die die Kirche renovierte und dort eine Galerie einrichten wollte. Zur Zeit ist ihre weitere Nutzung offen.

Gemeindeleben im Osten Pommerns

Zu Besuch bei der kleinsten Gemeinde in Hinterpommern.

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