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24. - 27.05.2017

Ev. Kirchentag in Wittenberg und Berlin

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21.08.-28.08.2017

Bugenhagen Radwanderung von Treptow bis Wittenberg

08.-10.09.2017  

Chorfestival in Köslin / Koszalin mit deutschen und polnischen Chören

Der Pommernkonvent auf der der EKMOE, der Evangelischen Konferenz für Mittel- und Osteuropa

 

Am 3. Mai 2016 fand die jährliche Tagung der EKMOE im Kirchenamt der EKD in Hannover statt. Helmut Köhler vertrat den Konvent ev. Gemeinden aus Pommern e.V. als dessen Vorstandsmitglied.

 

Zum Thema der Konferenz, „Die aktuelle Flüchtlingskrise. Herausforderungen für Gesellschaften und Kirchen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa“, hielt der Osteuropa-Experte Dr. Volker Weichsel das gleichlautende Hauptreferat.

 

Anschließend gaben Dr. Stefan Cosoroaba (Ev. Kirche A.B. in Rumänien) und Fritz Blanz (Diakon. Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Bayern) Kurzstatements zur Positionierung der Kirchen in Rumänien bzw. in Ungarn zur Flüchtlingskrise ab.

 

Teil der einleitenden Regularia (TOP 1) war die Annahme des Orientierungsrahmens der EKMOE.

 

Unter TOP 2: Berichte informierte Helmut Köhler über Arbeit und künftige Ausrichtung des Konventes ev. Gemeinden aus Pommern seit der Neuwahl des Vorstands am 17.11.2014 und gab einen Überblick über die seither erfolgte Betreuungsarbeit in Hinterpommern.

Die Mitgliederversammlung werde während der deutsch-polnischen Begegnungstagung des Konventes evangelischer Gemeinden aus Pommern e.V. vom 7.-9. Oktober 2016 in Greifswald eine Satzungsänderung beschließen, welche, unter Beibehaltung der traditionellen Aufgabenfelder, eine Anpassung an die neuen Verhältnisse und Gegebenheiten ermöglichen soll. Der Zusammenarbeit mit den pommerschen Gemeinden der Ev.-lutherischen Kirche A.B. Polens soll größere Bedeutung zukommen, und neue und vor allem jüngere Mitglieder sollen gewonnen werden im Zusammenhang mit Studienfahrten und Veranstaltungen zur protestantischen Prägung Pommerns.

 

Die Aufgaben der EKMOE:

Die Konferenz dient der gegenseitigen Begleitung und Weiterentwicklung der Arbeit in Mittel- Ost und Südosteuropa sowie der Partnerschaftsarbeit mit den Kirchen vor Ort.

Zu den Aufgaben gehören u.a. die Entwicklung gemeinsamer Konzepte und Strategien zur Orientierung vonKontakten und Partnerbeziehungen und die Beratung der EKDund der anderen Mitglieder in allen die Region betreffenden Fragen.

Bei der Bewältigung dieser Aufgaben geht sie aus von den Wünschen und Bitten der Partner in Mittel- undOsteuropa und u.a. auch den besonderen Verbindungen und Zugängen nach Mittel- und Osteuropa, über die viele evangelische Kirchenmitglieder aufgrund ihrer Herkunft aus diesen Gebieten verfügen.

Mit dem Fall der Bertliner Mauer und dem Beitritt vieler Länder zur Europäischen Union ist Europa in ein neues Stadium seiner Geschichte eingetreten. Die Spaltung Europas ist überwunden, gleichzeitig zeigen sich neue Herausforderungen und Krisen.

Gerade für Deutschland ergeben sich aus dieser Lage neue Möglichkeiten, der besonderen Verantwortunggegenüber Mittel- und Osteuropa gerecht zu werden. Diese Verantwortung gründet zum einen in einer Jahrhunderte währenden Verbundenheit, da in fast allen Gegenden Mittel- und Osteuropas deutscheMinderheiten mit den anderen Bevölkerungsgruppen zusammengelebt haben. Sie gründet außerdem in den Millionen Flüchtlingen, Vertriebenen und Aussiedlern, die als Folge des Krieges und dann auch nach dem Ende des Kalten Krieges nach Deutschland kamen.

Zu den Zielen gehört es, Gemeinschaft zwischen den Kirchen zu vertiefen im Sinne partnerschaftlicher Arbeit in Mittel- und Osteuropa.

Dies bedeutet für die entsprechenden Kirchen, einander am geistlichen Leben teilhaben zu lassen und die Verkündigung des Evangeliums und die Evangelisierung als gemeinsame Aufgabe anzugehen, den theologischen Dialog weiterzuführen, Bildung zu fördern und fundamentalistischen Verengungen vorzubeugen.

Es geht zudem um die Stärkung des Protestantismus in Mittel- und Osteuropa.

Des Weiteren gilt es, Solidarität zu stärken und die Lebensverhältnisse in Mittel- und Osteuropa zu verbessern.

Die Mitglieder der EKMOE wirken daran mit, dass eine Kultur der sozialen Verantwortung in Europa entwickelt und politisch umgesetzt werden kann.

Die Mitglieder praktizieren Zusammenarbeit und Partnerschaft u.a. mit orthodoxen, freikirchlichen,griechisch-katholischen und römisch-katholischen Kirchen je nach Bedarf und Übereinkunft.

Auch mit NGOs und anderen zivilgesellschaftlichen Einrichtungen werden Partnerschaften und Kontakte gepflegt (z.B. Tschernobyl-Gruppen, Städtepartnerschaften, etc.), soweit sie im Einklang mit den kirchlichen und diakonischen Zielen der EKMOE stehen.

Schließlich ist es Aufgabe der EKMOE, den Erfahrungsaustausch über die Formen und Entwicklungen derPartnerschaften und Kontakte noch intensiver und verbindlicher zu gestalten.

 

(Quelle: „Orientierungsrahmen für die Arbeit der EKMOE: Aufbau und Pflege der Beziehungen im Bereich der EKD nach Mittel- und Ost-Europa“ vom 25./26. April 2007, aktualisiert am 3. Mai 2016).

 

Im Hauptreferat (TOP 3) behandelte Dr. Volker Weichsel den Hintergrund der Revolte in den Ländern Osteuropas, welche sich bisher den europäischen Weisungen zur quotenmäßigen Aufnahme von Flüchtlingen aus den aktuellen Krisengebieten widersetzten.

Die enttäuschten Erwartungen u.a. Ungarns (Orban) richteten sich gegen die EU als „Hauptsündenbock“ (und besonders Deutschland).

So finde hier eine Rücknahme der friedlichen Revolution von 1989 statt, und es werde jetzt vorrangig der nationale Stolz betont und daher eine Zustimmung zur Übernahme eines angemessenen Kontingents von Flüchtlingen verweigert, da man sich nach der Befreiung von der russischen Unterdrückung nicht neuer Bevormundung, diesmal durch die EU, auszusetzen gedenke. Europäische Rechtsstaatlichkeit werde nun als „dominierende Bürokratie“ verstanden.

Dieser Solidaritätsmangel bei den bis zur Wende von der SU bzw. Russland beherrschten kleineren Völkern rühre daher, dass sie Verantwortung gegenüber Anderen nicht gewohnt gewesen seien. Allerdings reagiere Polen da etwas einsichtiger, denn es habe verstanden, dass man amGedeihen Europas mitwirken müsse. Insofern bestehe hier also Hoffnung auf eine positive Gegenbewegung.

In der Aussprache wurde die Frage nach der Reaktion der Kirche in diesen Ländern aufgeworfen. Eine andere Frage war die nach dem Verhältnis von „politischer Oberfläche“und Gesellschaft. Der Ansicht, in Rumänien handele es sich um eine der EU gegenüber voreingenommene Haltung, wurde entgegengehalten, dass die Länder des Ostens von der EU nicht gezwungen worden seien, sondern dass sie entschieden Teil des Westens werden wollten. Der Referent, Dr. Weichsel, gab abschließend zu bedenken, dass die östlichen Länder allerdings erhebliche Zugeständnisse an die EU zu machen hätten.

 

Es schlossen sich Kurzstatements an: Im Falle Rumäniens, das nicht auf der Balkanroute liege, handele es sich eher um (ca. 3 Mio.) Wirtschaftsmigranten, die in den Westen drängten. Es gäbe dort 6 offene Lager für Migranten.

Die orthodoxen Kirchen hätten eine positive Einstellung gegenüber Flüchtlingen, aber 76 % der Bevölkerung seien ablehnend.

In Ungarn sei die Kirche kritisch eingestellt - aus Angst vor einer Islamisierung. Sie müsse sich erst „finden“, doch gäbe es auch durchaus positives Potential.

Polen habe wenig Erfahrung mit Migranten – es sei eher ein Auswanderungsland (vorrangig nach England und Irland). Das Flüchtlingsproblem werde von der Regierung instrumentalisiert durch Konstruktion einer Parallele zur früheren Bedrohung durch die Rote Armee. Der Polnische Ökumenische Rat erwecke hingegen Hoffnungen.

TOP 4 bezog sich auf regionale Arbeitsgruppen, welche das Thema vertieften.

Neben Rumänien und Ungarn war auch Polen gewählt worden.

Fragen und Lösungsansätze im Falle Polens:

Hier geht es um Überwindung von Fremdenfeindlichkeit durch Bewusstmachung der eigenen Geschichte (z.B. der historischen Kontakte mit den Tataren und dem Islam). –

Welchen Zugang haben die Kirchen zu den Medien, um ihre eigene Haltung äußern zu können? – Den Gemeinden müsste stärker vermittelt werden, was die gemeinsame christliche Aufgabe ist. –

Polen ist gesellschaftlich eher homogen strukturiert. – Die jüngeren Polen sind EU-freundlicher, neigen aber teilweise dennoch zur Ablehnung des Asyls für Flüchtlinge oderMigranten.

Zur kirchlichen (deutsch-polnischen) partnerschaftlichen Zusammenarbeit: Ist die Flüchtlingsproblematik hier schon zu einem Thema geworden? –

Die Ev.-lutherische kirchliche Minderheit A.B. Polens hat nur eine Chance, sich Gehör zu verschaffen, wenn sie sich ökumenisch (Lutheraner mit Reformierten) zusammenschließt. Die Abgrenzung zur Katholischen Kirche darf nicht weiter verstärkt werden!

Um Ermüdungserscheinungen entgegenzuwirken, müssen die Kontakte zwischen denLandeskirchen und dem polnischen Partner am Leben gehalten werden: Helfen könnte hierbei die Intensivierung von Reisen und Begegnungen. Eine stärkere finanzielleUnterstützung solcher Begegnungen wäre zu wünschen! –

 

Für den Konvent ev. Gemeinden aus Pommern e.V. hieße das z.B., die Partnerschaft mit den polnischen evangelischen Gemeinden in Hinterpommern zu festigen und zu vertiefen durch Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise in Europa. Sowohl Überzeugungsarbeit durch gegenseitige Beratung als auch praktische gegenseitigeHilfestellung könnten eine zukunftsgerichtete Perspektive der Zusammenarbeit im gemeinsamen Europa eröffnen.

 

Helmut Köhler, Münster

 

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